Essen alla Kinderschreck…

… oder es geht auch lecker…. oder wie verarbeite ich traumatische Erinnerungen aus der Kindheit… oder wie konnten sie nur, die Nicht-Öko-Mütter der 70er und 80er…. oder wie kriegt ihr ein leckeres neues Reste-Rezept. Wer keine Lust auf eine bisschen Lullerei aus meiner Kindheit hat, der scrollt einfach weiter runter und landet gleich beim Rezept!

Damit ihr das versteht, muss ich etwas ausholen: In meiner Kindheit gab es wenige kulinarische Höhepunkte, meine Mutter hatte das großartige Talent jedem Essen auch den noch so kleinsten Funken Leben zu rauben und alles… wirklich alles zu einer fast unkenntlichen Masse zu verkochen. Salat war genauso ein Fremdwort wie frisches Gemüse für mich, gab es schlicht nie…. oh, doch, ich vergass…. Wurstsalat, Käsesalat und Wurstsalat… huch schon doppelt…. Um frischen Salat zu bekommen, ging ich immer zu den Nachbarn zum Abendessen schnorren, denn die waren schon damals Öko und aßen jeden Abend leckerste grüne Blätter….. Meine Mutter war ein Fan von Konservendosen und Fertigprodukten, der Keller voll damit, muhahaha…..*grusel*. Wenn es was Besonderes geben sollte, war es das 1/2 Hähnchen vom Imbiss…. naja… aber das Schlimmste und das meine ich ganz ernst (Zartbesaitete nicht weiterlesen) war ihr Essen alla Kinderschreck (selbstverständlich nannte sie es selbst nicht so ;-))… Da kamen alle Reste der vergangenen Tage… ehrlich wirklich alle, egal was (echt jetzt) in eine Pfanne, wurden warm gemacht und uns zum Mittag vorgesetzt…. es konnte sein, das der Pfannkuchen in der braunen Soße, mit dem Sonntagsbraten, neben den Kartoffeln und dem Rotkohl, der Bratwurst guten Tag sagte, dem Reis einen Besuch abstattete um dem Rosenkohl schnell noch auszuweichen. Nicht selten lagen tatsächlich eben diese Zutaten in einer Pfanne und glotzen mich erwartungsvoll an… als würde die Pfanne rufen:“Der Mutigste zu erst!“ Ich hörte immer schon das zermatschte Gemüse von Weitem kichern….

Wen wundert´s also, das ich schon sehr früh begann, mich für´s Kochen zu interessieren… und zum Glück hatte ich mehr Talent (ich würde zu gern schreiben, sehr viel mehr, aber das hört sich dann doch zu überheblich an, stimmt aber!), bis auf einige Ausrutscher hier und da, gelingt es mir meist ein frisches und nahrhaftes Mahl für meine Lieben zu zaubern. Ich sammle leidenschaftlich Kochbücher temporär zu wechselnden Themen und probiere gern neue Gerichte aus. Kopfzerbrechen bereitet mir meist nur die Resteküche… ich sag nur… Sozialisation….

Reste gibt es bei uns Flovimo´s meist in Form von Kruschelessen, d.h. die Reste der Tage davor nach Mahlzeiten (sortiert) aufgewärmt. Da ist dann für jeden was dabei. Um bei meinem Beispiel zu bleiben… Eierkuchen (allein) mit Apfelmus, Spaghetti mit Tomatensoße, Bratkartoffeln aus Kartoffelresten, etc…. dann steht der Tisch voller bunter Schüsselchen und Töpfchen und jeder sucht sich seine Lieblingsspeise heraus oder nascht von der des Nachbarn. Alle sind froh und keiner hat Not eine Ausrede zu finden, nicht zum Essen zu kommen… da es meist mindestens drei Reste sind, werden alle satt und sind fröhlich…

Seit ich einmal den obigen Schwank aus meinem Leben meinen Kindern erzählt habe, fragen sie mich oft, wenn ich sage:“Heute gibt es Reste!“, mit einem Grinsen im Gesicht:“Alla Kinderschreck oder normal?“

Zum Glück gab es und wird es hier immer nur normal geben! Puh….

Aber ich schweife ab…..

Sehr, sehr lange schon suche ich nach einer leckeren Alternative für Reisreste. Klar da gibt es viele: Reissalat, gebratenen Eierreis, Reis in der Suppe, Reis mit Gemüse… aber ich wollte Reisbratlinge… vielleicht mit Dip oder so…. aber bisher gelangen alle meine Versuche Reisbratlinge zu produzieren nicht wirklich…. essbar ja, aber nicht überzeugend…. bis zum heutigen Tag…..

Ich hatte einen guten Rest Basmati-Reis vom Wochenende…. in diesem Kochbuch fand ich die ultimative Antwort auf alle meine Reisbratling-Fragen des Lebens…. nein, eigentlich war es nur ein kleiner Tip auf den vorderen Seiten… aber sowas kann halt bahnbrechend sein…

Da ich ein großer Fan der asiatischen Küche bin, hab ich sie dann so gemacht…..

Basmatireis-Reste, etwas Mehl, 1 Ei, Bio-Asiagewürz (Menge nach Geschmack), etwas Sojasoße, Semmelbrösel, Öl zum ausbacken.

Das Ei mit dem Gewürz und einem Spritzer Sojasoße verquirlen. Den Reis mit den Händen zu festen Kugeln quetschen, etwas flach drücken und erst in Mehl, dann in der Eiermischung und abschließend in den Semmelbröseln wenden. Alle kleinen Bällchen in tiefem Fett (ich habe hier neutrales Kokosfett von Rapunzel genommen) goldbraun ausbacken und auf einem Küchentuch abtropfen lassen.

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Dazu gab es bei mir frische Wok-Möhren (die orangen Dinger lagen auch schon lange rum) und ich kann euch sagen… sowas von lecker aber auch… yummi! Endlich habe ich mein Rezept, ohne viel Schnick und Schnack… meine asiatischen Bratlinge… könnte ich mir auch gut vorstellen mit normalem Reis und Kräutern in der Eiermischung… oder gar süß, mit Zimt und Zucker, ähnlich wie Arme Ritter, oder oder oder….

Habt eine leckere Woche

Ute

 

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